Josef Mikl: Deckenbild (404 m²) und 22 Wandbilder für den Großen Redoutensaal der Wiener Hofburg (1994-97)

Unauslöschlich mit der österreichischen Kunstgeschichte verbunden, ist Josef Mikl  vor allem durch seinen größten öffentlichen Auftrag: Die Ausgestaltung des Großen Redoutensaales in der Wiener Hofburg.

Nachdem 1992 ein verheerender Brand die Ausstattung des Großen Redoutensaales vernichtet hatte, entschloss sich die Republik Österreich für eine Neugestaltung. Mit Hilfe eines Wettbewerbes sollte der geeignete Künstler gefunden werden. Mit seinen auf Texten von Karl Kraus, Johann Nestroy, Elias Canetti und Ferdinand Raimund basierenden Gemälden beeindruckte Josef Mikl und konnte die Jury für sich gewinnen. In Öl auf Leinwand malte er zwischen 1994 und 1997 das 404 m2 (34,80×11,60 m) große Deckenbild und die 22 Wandbilder mit einer Gesamtfläche von 214 m2.

Zweifelsfrei schuf er mit der Ausgestaltung ein Denkmal für die österreichische Literatur, als er sein Deckenbild dem Gedicht „Jugend“ von Karl Kraus widmete und es interpretierte, sowie für die  Wandbilder Textstellen von Johann Nestroy, Ferdinand Raimund und Elias Canetti malerisch verwirklichte.

Der Große Redoutensaal gilt als österreichischer Staatssaal und da in den nächsten Jahren das Parlament renoviert wird, fungiert dieser Saal nun auch als Sitzungssaales der Abgeordneten.

 

Deckenbild Redoutensaal, 404 m², dem Gedicht „Jugend“ von Karl Kraus gewidmet.

 

 

Die Arbeit am Deckenbild im Arsenal. Die Bahnen lagen am Boden und Josef Mikl hat mit einem selbst gebauten Hochstand immer wieder seine Malerei überprüft. Erst nach Beendigung der Malerei wurde das Deckenbild Im Juli 1996 im Redoutensaal montiert und kaschiert. Am 25. Oktober 1996 wurde das Deckenbild schließlich enthüllt.

 

 

Alle 34 Verse von Karl Kraus finden sich in die Malerei eingewoben. Sie sind vom Boden stehend und hinauf blickend nicht sichtbar, aber Josef Mikl fertigte noch vor der Aufkaschierung einzelne Fotos der Verse in der Malerei an.

 

Karl Kraus, Gedicht „Jugend“, Vers 9

 

Josef Mikl: Großer Redoutensaal – Am Anfang

Durch die Deckengröße (404 qm) nicht mutlos zu werden, nicht ängstlich bei den Vorarbeiten, die kommende Hundearbeit zu sehen, zu beachten, den Auftrag trotzdem anzunehmen, ein schwerer Beginn,
Ich musste ein Deckenbild entwerfen und ausführen ohne Erinnerung an die Barockzeit oder an die Rokokozeit.
Es durfte kein Erinnerungsbild werden.
Bisher scheiterten neuere Maler an ihren tatsächlichen Barock- oder Rokokodecken.
(Anmerkung: Kokoschka wäre eine Ausnahme gewesen, aber unser blinden Republiken gaben keinen Auftrag.)

 

 

Das Programm der 22 Wandbilder reflektieren Szenen aus den Werken von Johann Nestroy (10 Wandbilder:  Einen Jux will er sich machen 1,2, Der Zerrissene 3,4,5, Nur Ruhe 6,7,8, Die verhängnisvolle Faschingsnacht 9,10), von Elias Canetti (2 Wandbilder, Stirnwand, Komödie der Eitelkeit) und Ferdinand Raimund (10 Wandbilder: Der Barometermacher auf der Zauberinsel 1,2, Der Diamant des Geisterkönigs 3,4,5,  Der Alpenkönig und der Menschenfeind 6,7,8, Der Bauer als Millionär 9,10)

 

Raimund, Der Bauer als Millionär, Bild 9, 1995 – 97, Öl auf Leinwand, 345 x 280,5 cm

 

Mehr Infos, Arbeitsfotos, Texte, einzelne Abbildungen der Wandbilder und Arbeiten, die rund um die Werke für den Redoutensaal entstanden sind, finden sie auf der
Homepage von Josef Mikl:
https://www.josef-mikl.com/de/archiv/gro%C3%9Fer-redoutensaal/

 

(Text und Zusammenstellung: Gabriele Baumgartner)
Weitere Beiträge über und von Josef Mikl auf diesem Blog:

Josef Mikl: Arbeiten für St. Virgil (Salzburg), 1975 / 76, Wandgemälde und Messkleider

Josef Mikls Zyklus zu Nikolai Gogols Roman: Die Toten Seelen, 1842

Otto Breicha: Der junge Mikl – Beginn und frühe Jahre

Josef Mikl: Nestroy – Häuptling Abendwind

Josef Mikl: Handwerk und Kunst (2008, zweite Fassung)

Josef Mikl: Braucht der Künstler die Kirche? (1983)

Gabriele Baumgartner: Josef Mikl – Ich war immer für Bücherkästen (1994)