Eva Gebetsroither: Der Raupenlockdown (Text)

Die Raupe ist ein armes Tier

Was kann denn sie denn dafür

Dass ihr das Fliegen bleibt verwehrt

Sie ist noch sehr in sich gekehrt

So schlummert schon in ihrem Kummer

Ein wunderbarer Lebenshunger

Doch sie weiß noch nicht,

was ihr das Leben so verspricht

so wartet sie darauf

dass es mit ihr geht bergauf

in den schönsten Himmel zu fliegen

ihre Flügel zu schwingen und zu biegen

doch im Himmel sieht man Raupen meistens rar

ja, sie ist noch ein kleines Insekt, sehr unscheinbar

Ihre Freunde rieten ihr

Ach, du kleines armes Tier

Kannst nicht erwarten rauszugehen

Und die Welt von oben zu sehen

Bleib noch in deinem Cocon

Die anderen wissen es längst schon

Du kannst es vielleicht schon erahnen

Dein Leben fließt bald in anderen Bahnen

Musst du durch deine Lebensphasen gehen

Und so viele Hindernisse überstehen.

Doch die Raupe war sehr stur

Und verpuppte sich immer zu nur

Bis kein Ohr mehr an sie drang

Kein Piepsen der Meise, dass sie mit der Außenwelt verband

Sie war ein kleines Wesen,

eine Raupe war sie gewesen

Bis das Licht in ihren Augen leuchtete

Und der Nebel ihre zarten Flügel befeuchtete

Sich reckte sie und streckte sie sich
Bis ihr ein Seufzer entwich

Ja so ward sie ein Schmetterling, ein wunderbar edles Ding

Dass da mit dem Wind in der Luft wehte

Und immer wieder Pirouetten drehte

Sie ward ein Schmetterling geworden

All ihre Sorgen waren nun verborgen

Sie konnte die Welt von oben sehen

Und nun konnte sie auch besser verstehen

Dass die Phase des Schmetterlings

Mit dem der Raupe zusammenhing

Sie musste sich nicht verbiegen

Denn ihr Schicksal war …das Fliegen.

 

 

Die Homepage der Autorin: https://www.eva-gebetsroither.at/

 

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