Herwig Prammer: Bestandsaufnahme | Inventory

Ein mumifizierter Vogel, ein alter Damenschuh, mit Pigmenten in ihrer Erscheinung neutralisierte und durch eine Metallstange zusammengepresste Bücher oder langsam verfaulende Äpfel am Wegesrand werden von Herwig Prammer in ihrer Bedeutung und Aussagekraft zu einem neuen Sinn geführt, wenn er sie losgelöst von ihrer ursprünglichen oder gefundenen Umgebung, gleichsam als Skulptur in einem anderem Zusammenhang interpretiert. Es ist eine Bestandsaufnahme der Dinge seines Umfeldes, die er in und rund um seinen alten Bauernhof, der nun sein eigen ist, in den Scheunen oder Dachböden aufgefunden hat und zu ästhetischen Gebilden somit neu formt.

Es sind Erinnerungen und Relikte der Vorbesitzer seines Hauses, die aber nicht die Frage nach: Wer hat hier gelebt?, sondern vielmehr: Was haben sie vergessen und ist übrig geblieben?, stellt. Herwig Prammer verortet sich nun in seinem Bauernhaus und dessen engeren landschaftlichem Zusammenhang, indem er sich bewusst mit dessen Vergangenheit auseinandersetzt. Es bedeutet nicht nur ein Respektieren des Vorhandenen, sondern auch eine Komplexität seiner eigenen Gegenwart und Zukunft mit den Fragen nach dem status quo und vor allem jener nach quo vadis?

 

o.t., aus der serie ‚bestandsaufnahme’, 2021, holz, eisen, mumifizierter vogel, 40 x 40 x 152 cm

 

A mummified bird, an old lady’s shoe, books neutralized in their appearance with pigments and pressed together by a metal rod, or slowly rotting apples by the wayside are given new meaning and significance by Herwig Prammer when he interprets them detached from their original or found environment, as a sculpture in a different context. It is an inventory of the things of his surroundings, which he has found in and around the old farm, which is now his own, in the barns or attics and thus reshaped into aesthetic entities.

They are memories and relics of the previous owners of his house. But the question is not: Who lived here? but rather: What did they forget and is left? Herwig Prammer now locates himself in his farmhouse and its closer landscape context by consciously dealing with its past. It means not only a respect for what exists, but also a complexity of his own present and future with the questions of the status quo and especially that of quo vadis?

 

homepage: www.prammer.com

 

(Text: Gabriele Baumgartner, Januar 2021)

o.t., aus der serie ‚bestandsaufnahme‘, 2020, holz, damenschuh, verschiedene materialien, 20 x 8 x 59,5 cm

 

o.t., („obacht, bissig!“), aus der serie ‚bestandsaufnahme‘, 2020, eisen, 30 x 32 x 65 cm

 

o.t., aus der serie ‚bestandsaufnahme‘, 2021, holz, eisen, mumifizierte krähe, pigment, 49,5 x 16 x 61,5 cm

 

o.t., 2020, Öl auf Büchern und Eisen, 100 x 23,5 x 14,5 cm

Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns (Franz Kafka)
Wissenschaf(f)t Kunst on tour

On Tour 01 I Herwig Prammer
Herwig Prammer liest aus Odyssee von Homer in einer Übersetzung von Roland Hampe

https://www.wissenschafft-kunst.com/on-tour/herwig-prammer/

 

o.t., aus der serie ‚bestandsaufnahme‘, 2021, holz, eisen, mumifizierte maus, 6,5 x 19 x 26,5 cm

 

Beiträge auf unserem Blog:

Herwig Prammer: Nachtstücke, Zürich, 2020

Herwig Prammer: Übergänge

Herwig Prammer: Mühlviertler Hasenjagd

Herwig Prammer: Nachtstücke, Wien