Gerlinde Wurth & Freunde

80 Jahre Gerlinde Wurth

Arbeiten aus sechs Jahrzehnten und Arbeiten von Florentina Pakosta, Katharina Stiglitz, Anna Reisenbichler, AnaMaria Heigl, Eva Pliem, Julia Dorninger, Brigitte Bruckner, Monika Dorninger, Lena Wiesbauer, Susanne Königer, Heinrich Heuer, Sinan Mollahasanov ua…

Kunstnachmittag: Freitag, 15. Februar 15 – 17 Uhr
Ausstellungsdauer: 15. Febuar bis 26. April 2013

Text zur Ausstellung:

Ein runder Geburtstag gibt einen guten Anlass auf das künstlerische Schaffen zurückzublicken und Stationen der verschiedenen Werkphasen mit einer oder mehreren Arbeiten zu präsentieren. Da die Jubilarin nicht gerne alleine im Rampenlicht steht, wurden Künstlerfreunde eingeladen, eine Arbeit von ihnen in die Ausstellung zu integrieren und damit Gerlinde Wurth eine besondere Referenz zu erweisen.

Auf den Punkt gekommen

1933 in Wien (Breitensee) geboren, malte sie als Kind erste naturgetreue Bilder. Prägend für ihr späteres ästhetische Empfinden und ihre Liebe zur modernen Musik war die Bürolehre beim Klavierfabrikanten Hoffmann & Cerny. Ihr Arbeitsplatz befand sich unterhalb jenes Raumes, der für das Stimmen der Klaviere verwendet wurde. Gerlinde Wurth liebte das monotone Anschlagen der Tasten und des damit entstehenden gleichförmigen Rhythmus.

In der künstlerischen Volkshochschule belegte sie zunächst kurz einen Kurs für Bildhauerei und später intensiver auch einen für Aktzeichnen. Paul Meissner, der Kursleiter der Aktklasse, brachte ihr auch die Malerei mit Kunstharz näher. Erste, oft stark farbige abstrakte Kompositionen entstanden. Gerlinde Wurth besann sich auf ihre Kindheitserinnerungen, als sie gemeinsam mit ihrem gleichaltrigen Cousin Walter Loub (später Mikrobiologe) im Mikroskop Algen betrachtete und sich die einzelnen Zellen herauskristallisierten. Die Form dieser Zelle übersetzte sie nun in Farben und ließ sie in Farbengebilde abstrahieren.

Für vier Jahre übersiedelte sie 1959 nach Schweden und begann im Büro eines Restaurants zu arbeiten. In diesen Jahren entstanden vor allem zahlreiche naturalistische Tuschezeichnungen und starkfarbige, eher abstrahierte Ölkreidearbeiten der nordischen Landschaft. Besonders häufig finden sich Motive des rund um und vor Stockholm gelegene „Skärgarden“ mit seinen fast 30.000 Inseln. In Schweden begann auch Gerlinde Wurths künstlerische Laufbahn, als sie mit einer Mappe in der Hand, in die Gallerie Brinken zu Anna Sjörgren ging und die erste Einzelausstellung schon 1960 folgte.

1964 kehrte Gerlinde Wurth zwar nach Wien zurück, verbrachte aber bis 1973 alle ihre Sommerurlaube in Schweden. Künstlerisch experimentierte sie immer stärker mit den verschiedenen Formen der Abstraktion; auch in der Landschaftsdarstellung, indem sie einzelnen Formen immer mehr mit einfachen Strichen andeutete. Die Werkserie der „Windbilder“ entwickelte sie ausschließlich an den schwedischen Stränden. Verschiedene Farben setzte sie auf das Blatt Papier und der Wind zeichnete seine Spuren.

Zu dieser Zeit war in Wien die Kunstszene mehr als überschaubar. Nur wenige Galerien bestritten ein Programm und es gab kaum Möglichkeiten seine Kunst irgendwo anders auszustellen. In der von Robert Schmitt geleiteten Galerie Autodidakt hatten aber auch Künstler ohne akademische Vorbildung die Möglichkeit, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. 1967 widmete die Galerie erstmals Gerlinde Wurths „Zellenbilder“ eine Ausstellung.

In diesem Jahr übersiedelte die Künstlerin in ein Haus in Langenzersdorf. Vorwiegend abstrakte Bilder in den verschiedensten Techniken entstanden. Kurzzeitig kehrte sie aber zur naturalistischeren Darstellung zurück, als sie sich zwischen 1972 – 1974 mit den Malern Karl Anton Fleck, Hans Skribanek, Wilfried Zimmermann und Hans Reiter zum gemeinsamen Aktzeichnen und Arbeiten in der Landschaft rund um Wien traf. Demnach war neben den skizzierten Landschaftsaufnahmen vor allem die Form des menschlichen Körpers bestimmend für die weiteren Werke. In ihren sogenannten „Erdäpfelakten“ abstrahierte sie die Formen oft bis zur Unkenntlichkeit, jedoch finden sich auch sehr sensible, zurückhaltende Aufnahmen. Auch schon wie bei ihren „Zellenbildern“ hatte sie eine Grundform gefunden, an der sie arbeiten konnte.

Die Beschaffenheit der verschiedensten Materialien interessierte sie schon seit längerem. Bereits in ihren Kunstharzbildern bindete sie immer wieder Kieselsteine in die Farbe und veränderte damit die Struktur. Mitte der 70er Jahre intensivierte sie aber diese Beschäftigung und sie wandte sich dazu, auf Platten oder Papierblätter die verschiedensten Materialen wie Stoffe, Steine oder Sand zu kleben. Die Abkehr von starkfarbigen zu meist in dunklen Tönen oder feinen Nuancen von Schwarz gehaltenen Bildern war vollzogen. Die Farbe war nicht länger mehr das Ausdrucksmittel, sondern sie schaffte nur mehr die Basis für die feinen Strukturen der Materialen. Auch umwickelte sie Steine, Stühle oder Obstkisten mit Schnüren und Seilen und bemalte sie. Immer wieder taucht das Kreuz in diesen Arbeiten auf. Jedoch ist es, im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern nicht religös besetzt, sondern es ist die gleichmässige Form, an die sie sich anhielt.

Einschneidend war abermals ein Umzug. 1978 stand fest, dass ihr Haus in Langenzersdorf dem Straßenbau weichen musste. Bis sie in ihre Wohnung in Wien im Mai 1979 übersiedeln konnte, musste sie alles packen und ihre Malmittel in Kisten verstauen. Nur mehr Papier und wenig Zeichenmittel waren rasch verfügbar. Es hatte sie beeindruckt, wie der befreundete Bildhauer Zbynek Sekal für einen Altar für Vorarlberg einen Kupfernagel nach dem anderen, seriell nebeneinander in das Blech getrieben hatte und ähnlich wie in der Zeit des Klavierstimmens oberhalb ihres Arbeitsplatzes, war es wieder der monotone Rhythmus, der ihr gefiel. So begann sie einen Strich nach dem anderen auf das Papier zu setzen. Ähnlich wie zuvor mit den Materialen begann sie mit den aneinander gereihten Strichen Formen zu bilden. So füllte sie Blatt für Blatt der Skizzenblöcke oder loser Blätter.

Als sie schließlich im Mai 1979 in ihrer Wohnung in Wien einzog, fertigte sie nur mehr wenige kleinformatige Materialbilder bis etwa 1980 an. Ab da blieb sie ausschließlich dem Papier und überwiegend dem Tuschstift verhaftet. Die Striche wurden in der ersten Hälfte der 80er Jahre von aneinander gereihten Kästchen abgelöst. Nur kurze Zeit hielt diese Phase an und sie ging über, nur mehr „Unendlichkeitspunkte“ auf das Blatt zu setzen.

Nach ihrer Ausstellung 1982 zog sich Gerlinde Wurth vom Kunstbetrieb völlig zurück und konnte erst 2003 von einem befreundeten Sammler überredet werden, wieder an einer Gruppenausstellung teilzunehmen.

In den letzten Jahren dringt ihre Leidenschaft für Musik auch in ihren Arbeiten stärker in den Vordergrund, wenn sie die Namen ihrer Lieblingskomponisten auf Blätter bannt. Auch erhielt der Strich wieder Einzug in ihr Werk. Sei es durch Notenlinien oder wie gerade im letzten Jahr in ihren Variationen „Strich-Punkt“. Ihre neuesten Arbeiten „Tellerbilder“ zeigen von ihrer unerschütterlichen Kreativität feine, nuancierte Werke voll stiller Poesie zu schaffen.

(Gabriele Baumgartner)