Stille Zeit | Die Ausstellung

Dem Jahreskreis und dem Ausdruck der drei Künstlerinnen Julia Dorninger, Anna Reisenbichler und Gerlinde Wurth entsprechend wird die Ausstellung in den Räumlichkeiten des ip.forums „STILLE ZEIT“ genannt. Programmatisch ist der Titel der Ausstellung für die Auswahl der Arbeiten. Jedoch muss und soll bei einigen Werken trotz ihres zarten Erscheinungsbildes hinterfragt werden, ob sie wirklich „still“ sind. Ein gedankliches Fragezeichen oder Anführungszeichen sind manchmal vonnöten.

Die drei Künstlerinnen sind in ihren Ansätzen sehr unterschiedlich, doch scheint ihnen ein ähnlich ästhetisches Empfinden eigen. Als ein verbindendes Element dieser drei zueinander wählte jede eine Arbeit der anderen für die Ausstellung aus. So entstehen ganz ungewöhnliche Blickpunkte auf die Werke und auch auf die Künstlerinnen selbst.

Der künstlerische Weg von Gerlinde Wurth führte von der Malerei zu Materialbildern in den 70er Jahren. Ende 1978 und Anfang 1979 vollzog sich ein radikaler Wandel in ihrem Werk. Ab da füllte sie mit Tuschstiften Blatt für Blatt mit jeweils Strichen, Kästchen oder Punkten. Verdichtete Gebilde oder auch ganz Zartes formen sich und sind in ihrer Ästhetik spannend. In den letzten Monaten schlägt sich auch ihre zweite Leidenschaft – die Musik – in ihrer Kunst nieder. Striche werden zu Notenzeilen und Punkte zu Noten.

 

Gerlinde Wurth, Ohne Titel, XII  1979, Tusche auf Papier, 40 x 30 cm

 

Julia Dorningers thematische Bandbreite ist eine andere. In Werkserien oder Einzelarbeiten hinterfragt sie die Funktionsmechanismen und die Wirkung der Medien auf die Gesellschaft und das Individuum, genauso wie die Wahrnehmung und Rezeption des Einzelnen auf die Themen Zeit, Raum und Emotion. Ihre technische Ausdrucksweise stimmt sie mit dem Thema ab. So finden sich in ihrem Oeuvre fotografische und malerische Arbeiten wie auch Installationen.

Julia Dorninger, Aus der Serie 103, 1 von 3, 2006, Selenographie auf Leinwand, 32 x 42 cm

 

Anna Reisenbichler ist eine Zeichnerin, die mit sehr hartem Bleistift und sehr spärlich eingesetzten Farben Bildwelten gestaltet. Architekturelemente wie gotische Fensterrosen oder skizzierte Innenräume, Ausblicke auf phantastische Landschaften und immer wieder Bäume mit ihren Verästelungen und Wurzeln sind einige ihrer Motive für die Bilderzählung. Textzitate zeitgenössischer Musikgruppen wie Radiohead oder Gedichtzeilen von Dylan Thomas werden als Bildelement, manchmal wie auf eine mittelalterliche Pergamentrolle geschrieben oder perspektivisch verkürzt, eingesetzt, um meist auch die eigene Person in Frage zu stellen. So ergeben das Textzitat und die bildliche Darstellung mehrere gedankliche Ebenen.

Anna Reisenbichler, Ohne Titel (I have longed to move away), 2011, Bleistift und Buntstift auf Papier, 29,7 x 42 cm

(Text: Gabriele Baumgartner)

Ausstellungsdauer: 2. Dezember 2011 – 26. Jänner 2012