Billi Thanner – Arbeiten 2007 – 2017

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Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 26. Jänner 2017, 18 – 21 Uhr
Dauer der Ausstellung: 27. Jänner bis 3. März 2017

Hier ein paar Eindrücke der großartigen Performance und Ausstellungseröffnung:
Performance: Kunstverkauf im Schlafzimmer von Billi Thanner mit Sandra Mauerhofer, Julia Kappaun, Harald Jokesch, Georg Melichar und Michael Mautner.

Über die Künstlerin:

Wir freuen uns sehr das neue Ausstellungsjahr mit einer Präsentation der Werke von Billi Thanner beginnen zu dürfen. Für die Schau wurden Hauptwerke aus ihrem Schaffen der letzten zehn Jahre ausgewählt, sodass ein Einblick in ihre thematischen Vielseitigkeit und technischen Variationsfähigkeit gewährt wird: Neben Malerei und Zeichnungen finden sich in dieser Ausstellung auch Objekte und Videos.

Die 1972 geborene Künstlerin gehört zur jüngeren Generation der Aktionisten und tritt mit ihren konzeptuellen Werken immer in Inter-Aktion mit uns als Betrachter. Die subtil inszenierten Arbeiten kreisen um gesellschaftspolitische und umweltpolitische Themen, genauso wie die Stellung der Frau und Sexualität: Billi Thanner schockt, rüttelt auf, spricht an oder deckt auf.

Konzeptionell thematisierte die Künstlerin 2009 in 17 Zeichnungen und drei Käfer-Objekten Franz Kafkas „Die Verwandlung“. Sie selbst titulierte ihre Arbeit mit „Ich schwuler Käfer“ und erzählt von Gregor Samsa und seinem plötzlichen Erwachen als Käfer auf ihre Weise. Sie benannte den Protagonisten als Gregor Thanner, beschrieb die Kafka-Erzählung in eigenen Worten und erweiterte sie um die Dimension des Erkennens der sexuellen Orientierung. Damit transferierte Billi Thanner die Metamorphose nicht nur in die Gegenwart, sondern spricht auch die immer noch gültigen Konzessionen der heutigen Gesellschaft und ihren Umgang mit dem Individuum und seiner Sexualität an. Gregor Thanners Verwandlung und die resultierende Erkenntnis erweisen sich als Synonym für die Befreiung des Einzelnen von den gesellschaftlichen Zwängen und Normen.

Eine Gegenüberstellung der beiden „blauen“ Bilder gewährt einen Einblick in Billi Thanners Veränderung des malerischen Ausdrucks der letzten Jahre. Das großformatige Werk „Farbstudie“ aus dem Jahre 2007 spielt vordergründig mit den Nuancen und Wirken der Farben und rührt in seiner Abstraktion das ästhetische Empfinden des Betrachters. Dagegen verweist die kleine quadratische Arbeit aus der Serie „Finished“, 2010, auf Billi Thanners aktuelle Technik der Ausdrucksform: Sie malt, sprayt und gestaltet ihre Bildthemen auf speziellen Folien und zieht sie über Schaumstoff auf Keilrahmen. Damit entwickelte die Künstlerin eine ihr ganz eigene Plastizität im Erscheinungsbild ihrer Werke.

In dieser Ausstellung dürfen wir auch gesellschafts- und individuellkritische Arbeiten der Serien „Ich tausche mein Leben gegen das Leben eines Hundes“, „Jetzt oder Nie“ und „Was ziehe ich heute an?“ präsentieren. Vordergründig inszeniert Billi Thanner Bildwelten in der sich die dargestellten Personen dem Betrachter scheinbar leichtfüßig präsentieren. Doch subtil spricht sie in den begleitenden Texten Kritisches oder Ironisches an. In fiktiven Biografien erzählt die Künstlerin vom Leben der wiedergegebenen Menschen, indem sie Namen, Alter, Berufe, Wohnorte und den Beziehungsstatus hinzugefügt. Billi Thanner schafft damit ein Universum für ihre Figuren, spricht durch die Bildaussage und die begleitenden Texte Themen an und lässt uns als Betrachter oft fragen, nachdenken oder schmunzeln.

Umweltpolitische Fragen wirft Billi Thanner in ihrem Video „No Air – no Art“ auf, indem sie die Problematik des Smog in Großstädten und ein mögliches, absurdes Szenario im Umgang mit der immer bedrohlicheren Situation thematisiert. Auch in ihrem zweiten Video „Billy Thanner’s Art Army“ vereint die Künstlerin mehrere inhaltliche Ansprüche. Die „eigene“ Kunstarmee tritt immer wieder als Plattform für die Kritik am Kunstmarkt, der Kunstszene und ihren Protagonisten auf. Mit eigener Facebook Seite und mehreren Videos zu diesem Thema schafft Billi Thanner es auf ihre Weise Gehör zu verschaffen und dem Betrachter subtil an der Nase zu nehmen und lässt ihn darüber reflektieren.
(Gabriele Baumgartner)

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